Schuppenflechte - was ist das überhaupt?
Hauterkrankungen gehören schon seit ewigen Zeiten zu den Krankheiten, die bei Mitmenschen Unbehagen oder zum Teil sogar Ekel auslösen. Den Begriff Schuppenflechte assoziieren viele Menschen mit Ansteckung und Unsauberkeit. Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde den Psoriasis Erkrankten der Eintritt in öffentliche Schwimmbäder verweigert.
Dabei handelt es sich bei der Psoriasis (der medizinische Begriff für die Schuppenflechte) um eine nicht ansteckende Autoimmunkrankheit, von der in Deutschland ca. 2 bis 3 Prozent der Bevölkerung betroffen sind.
Im Normalfall erneuert sich die Haut alle 28 Tage. Bei Psoriatikern verkürzt sich dieser Zeitraum wie im Zeitraffer auf ca. vier Tage. Durch dieses Schnellverfahren können die älteren Hautzellen nicht so rasch abgestoßen werden wie neue Hautzellen nachwachsen. Es kommt an den betroffenen Arealen zu der typischen grau-silbrigen Schuppenbildung und zur entzündlichen Hautrötung.
Schuppenflechte kann in jedem Lebensalter erstmals auftreten, am häufigsten jedoch im jungen Erwachsenenalter. Einflussfaktoren sind Infekte durch Bakterien (z. B. Streptokokken), psychische Belastung, Medikamente wie Beta-Blocker, Lithium-Salze oder Anti-Malaria-Mittel und die mechanische Reizung der Haut durch Reibung, Kratzen, Verletzungen, Druck und Sonnenbrand.
Die Psoriasis tritt in den meisten Fällen schubartig auf. Die klassische Schuppenflechte in dem Sinne gibt es nicht, da sie je nach Art der Größe und Ausdehnung in verschiedene Formen unterteilt ist. Zu den wichtigsten gehören:
Psoriasis vulgaris
Sie ist am meisten verbreitet. Rund 85 Prozent sind davon betroffen. Die Hautareale sind scharf begrenzt, gerötet und schuppen oft stark. Meistens zeigt sie sich in Form von Plaques. Typische Befallsherde sind Ellenbogen, Knie und das Steißbein.
Psoriasis punctata
Auf der Haut zeigen sich etwa stecknadelkopfgroße rötliche, zunächst fleckige, dann kleinknotige Erscheinungen, die im Laufe der Erkrankung auch zu größeren, zusammenhängenden Schuppenpartien zusammenfließen können.
Psoriasis guttata
Diese Form tritt in etwa linsengroßen, tropfenförmigen Herden auf. Auslöser ist oft eine Infektionserkrankung wie z. B. eine Mandel- oder Kieferhöhlenentzündung. Das Erscheinungsbild breitet sich in nur wenigen Tagen fast über den ganzen Körper aus.
Psoriasis nummuralis
Die Herde sind geldstückgroß und stark abgegrenzt. Sie können am ganzen Körper auftreten, besonders betroffen sind im Allgemeinen Oberkörper, Gesäß, Oberschenkel, Hüften, Ellenbogen und Knie.
Psoriasis geographica
Durch Ausdehnung und Zusammenfließen einzelner Herde entstehen größere Areale mit unregelmäßigen Begrenzungen, die einer Landkarte ähneln. Die Schuppenauflage ist sehr ausgeprägt. Besteht sie längere Zeit, bilden sich stark verdickte, borkenähnliche Herde.
Psoriasis pustulosa
Das Erscheinungsbild wird als eigenständige Form bewertet. Es werden fast nur Handinnenflächen und Fußsohlen befallen. Dabei bilden sich Bläschen von ca. 2 bis 5 mm Durchmesser, die so genannten Pusteln. Sie sind mit Eiter gefüllt, die weder Bakterien, Viren oder Pilze enthalten. Man spricht daher in diesem Fall von sterilen Eiterbläschen.
Zum Leidwesen der Betroffenen beschränkt sich die Schuppenflechte nicht nur auf die Haut. Auch die Nägel können befallen werden. Außer den eher noch harmlosen Tüpfelnägeln, bei denen sich kleine, löcherartige Einbuchtungen bilden, oder den so genannten Ölflecken (bräunliche Verfärbungen unter der Nagelplatte) gibt es noch die Krümelnägel. Bei dieser Form wird die Nagelplatte durch eine immer dicker werdende Schuppenschicht nach oben geschoben, bis sie, da sie nicht mehr versorgt wird, einschrumpft und sich ablöst. Spätestens dann kann der Psoriatiker seine Krankheit nicht mehr verstecken. Außerdem ist dieser Vorgang auch mit Schmerzen verbunden, besonders wenn das Tragen fester Schuhe durch den Nagelverlust nahezu unmöglich ist.
Noch heimtückischer ist die Psoriasis arthritis. Sie befällt die Gelenke, aber auch Sehnen können betroffen sein. Genaue Zahlen gibt es nicht, aber je nach Untersuchung geht man davon aus, dass 5 bis 30 Prozent der Psoriasis-Patienten an Gelenkbefall leiden. Internistische Rheumatologen sind heutzutage sehr gut in der Lage, eine Psoriasis arthritis zu diagnostizieren. Vorhandene Hauterscheinungen erleichtern die Diagnose. Allerdings sind rund 15 Prozent der Betroffenen hauterscheinungsfrei, was eine sichere Krankheitserkennung nicht gerade vereinfacht. Noch vor ca. zehn bis 15 Jahren wurden Patienten oft als eingebildete Kranke abgestempelt, weil diese Form der Psoriasis in kein „Rheuma-Schema“ passte. Wichtig ist jedoch die Früherkennung, damit die entzündlichen Prozesse an den Gelenken keine irreparablen Schäden anrichten können.
Bis heute gilt die Schuppenflechte als unheilbar, ihr hilflos ausgeliefert ist jedoch kein Psoriatiker. Zur Verfügung stehen heute neben der Lichttherapie zahlreiche äußere und innere Medikamente, die je nach Schweregrad zur Behandlung eingesetzt werden. Grob unterscheidet man zwischen einer leichten, mittleren und schweren Psoriasis. Genaueres bietet der PASI (psoriasis area and severity index). Dort werden Rötung, Schuppung und entzündliche Verdickungen getrennt für die einzelnen Körperregionen erfasst und daraus mittels Formel eine Gesamtzahl für den Schweregrad ermittelt.
Besondere Hoffnung setzten viele Psoriatiker auf die neuen Biologika, eine Gruppe von Medikamenten, die gentechnisch hergestellt werden. Vier dieser so genannten TNF-alpha-Blocker sind bisher in Deutschland für die Psoriasis zugelassen. Leider haben diese Medikamente auch ihren Preis. Aus diesem Grund erhalten Menschen mit mittelschwerer bis schwerer Schuppenflechte erst nach mehreren erfolglosen Therapien mit kostengünstigeren Medikamenten eines dieser biologischen Mittel – wenn überhaupt.
© Barbara Hoefer (Januar 2008)
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